--- Irrwege und Sackgassen ---   

Als eifrige Zeitungsleserin war Hilde Z. durchaus im Bilde darüber, dass man als mündiger Patient bestimmte Behandlungen ablehnen konnte. „Ich lehne Reanimationsmaßnahmen ab“, betonte sie immer wieder gegenüber ihrem Sohn Reinhard. Der versprach, diesen Wunsch im Fall des Falls selbstverständlich den Ärzten mitzuteilen. 

Reinhard war allerdings beruflich im Ausland, als seine Mutter, gerade auf dem Weg in die Bäckerei zum Einkaufen, einen Gehirnschlag erlitt. Weder die Sanitäter im Krankenwagen noch das Ärzteteam in der Notaufnahme des Spitals konnten auch nur ahnen, dass die rüstig wirkende Dame nicht wiederbelebt werden wollte. Und selbst wenn sie es gewusst hätten: Ohne entsprechende offizielle Verfügung und deren elektronische Speicherung hätten sie diesen Wunsch gar nicht berücksichtigen können. Nun lebt Hilde Zeppelin als Pflegefall seit drei Jahren genau jenes Leben, das sie niemals wollte. Ihr Sohn wiederum plagt sich seit drei Jahren mit Selbstvorwürfen, dass er sich für seine Mutter nicht besser über das Thema Patientenverfügung informiert hat.
 

sichere Umfahrung